Politik der Tribünen

Als eine unpolitische Gruppe, welche ihren Mitgliedern absolut freistellt ihre politische Zugehörigkeit zu wählen, als eine Gruppe, welche niemals Mitgliedern den Kurs ihrer ideologischen Gesinnung festschreiben wird, sei es uns erlaubt ein wenig über die allgegenwärtige Politik und Propaganda auf den Tribünen nachzudenken.

Hierzulande gibt es seit geraumer Zeit einige Gruppen, welche sich aktiv am Kampf gegen den Rassismus im Fußballstadion einsetzen, einige dieser versuchen ihrer Gesinnung auch durch z.B. Baskenfahnen oder Che Guevara-Portraits Nachdruck zu verleihen. Manche verlangen auch Liberalität und soziale Gerechtigkeit, geht meistens sogar im Kampf gegen den Kommerz in Einklang. Inwiefern dies für die Tribüne nützlich ist, diese Thematik ist der Auslöser für viele hitzige Diskussionen. Kann jemand, der sich nicht mit der politischen Affirmation der Kurve identifizieren kann hinter der Tifoseria als solches stehen? Wohl kaum…

…jedoch ist ein Aufzeigen der Gesinnung oftmals auch ein Schritt in die richtige Richtung. Anfechten der eigenen Ideale, zeigen wofür man kämpft, ein mächtiges Echo aus den Tribünen, welches der breiten Öffentlichkeit jenes kundtun kann, was einer einzelnen Stimme im Europa des 21. Jahrhunderts leider verwehrt bleibt. Die ultra-rechten Kurven, die in Italien, Frankreich, Deutschland, auf dem Balkan…vertreten sind, machen durch Keltenkreuze, Hakenkreuze, rassistische Gesänge und berüchtigte „Uh uh“-Rufe während der Ballberührungen farbiger Spieler auf sich aufmerksam. Ihre Parolen sorgten in manchen Staaten sogar für Schlagzeilen in den renommiertesten Zeitungen, ungern erinnert man sich an die Fauxpas der Laziali („ONORE ALLA TIGRE ARKAN“ oder an den Boykott eines Turniers, weil eine israelische Mannschaft teilgenommen hatte…). In vielerlei Hinsicht ist hier nichts hinzuzufügen, jedoch sollte man den politischen Kurs einer Kurve als etwas unumgängliches sehen, diesen nicht versuchen zu verbieten, es wäre eine starke Einschränkung der Mentalität und praktisch eine Attacke gegen die einschneidendsten Prinzipien innerhalb der Gruppierungen selber – diese sind meistens getragen durch politische Hintergründe, welche in südlicheren Gefilden stolz zur Schau gestellt werden.

Jedoch ist der Politik innerhalb (…innerhalb?!) der Stadien auch etwas mystisches anzusehen: im urbanen Klima der südeuropäischen Stadtzentren überwiegen politische Parolen mit der Signierung einer Gruppe, sarkastische Querschläge gegen Andersdenkende – ob gesellschaftlicher oder fußballerischer Herkunft. Fanfreundschaften welche durch politische Orientierung gebildet wurden bereichern den Globus der europäischen Fanszene, Feindschaften aus selbigem Grund kamen in vielen Ländern der Atmosphäre eines Derbys nahe. Die unpolitischen Kurven können einen großen Gewinn für sich erzielen: das zulaufen der Tifosi jeglicher sozialer, ethnischer, religiöser und politischer Herkunft und Orientierung, es entstehen zwar dadurch potentiell viele Konflikte (hier ist die Nordkurve der Delije Belgrad ein sehr gutes Beispiel), jedoch kann die Liebe zum Verein meistens gröberes Verhindern.

Eine weiteres Novum sind die Fanprojekte, die meistens Städte- und Länderübergreifend agieren, um meistens gegen soziale Ungerechtigkeit zu protestieren und nebenbei auch die jeweiligen Forderungen der Kurve zur Schau zu stellen…

Rechtsradikale und ultrafaschistische Gruppierungen gibt es vor allem bei unseren südlichen Nachbarn, wir hoffen, dass in Österreich die Tendenz bei gemäßigt links beziehungsweise gemäßigt rechts das Maximum aller Bemühungen bleiben wird, weil viele Tifosi sonst in ihrer eigenen Kurve eine Minderheit stellen würden. Gegen Politik, Projekte, Kooperation und Proklamationen politischer Art ist absolut nichts einzuwenden, dies ist für uns absolut in Ordnung, jedoch gegen Repression jener Leute, welche nicht mit der politischen beziehungsweise ideologischen Reputation einer Kurve in Einklang stehen.

SOLIDARITÄT MIT ALLEN – Unser Unterfangen ist ein gemeinsames…

FOSSA DEI BASTARDI