Leben oder Scheinleben |
Verbundenheit, Treue, Liebe, Faszination – jeder dieser ausdrucksvollen Begriffe charakterisiert eigentlich nur die Bedeutung eines Fandaseins. Oftmals wird unsere Spezies als verrückt angesehen, als lächerlich dargestellt, zum Vandalismus verbunden, asozial und ohne jegliche Schulbildung, nur auf Randale, Skandale und asoziales Verhalten aus. Jedoch, alle dieser Klischees werden von jenen, die wirklich zu ihrem Verein stehen, eventuell noch aktiv mit diesem das Land und Europa bereisen, mit einem Lächeln quittiert – diese Provokationen der armseligen Gesellschaft werden seit langem nicht mehr Ernst genommen. Zu oft ist man mitten in der Nacht nach einer Niederlage in einem anderen Teil des Landes aus dem Bus gestiegen, hat um sich geblickt und war Stolz um eine unbeschreibliche Erfahrung reicher zu sein, man war glücklich die Farben des Vereines, der Stadt oder Region in einem anderen Teil der Republik repräsentiert zu haben. Genauso war man stolz und zufrieden, innerlich befriedigt, wenn man in der Nacht nach einem verlorenen Auswärtsspiel daran zurückdenkt der geschlagenen Mannschaft mit zustimmendem Applaus signalisiert zu haben, dass der Kampf nicht vergebens war, dass immer jemand hinter ihr stehen wird, Namen kommen und gehen, der Verein bleibt der selbe, die Treue ist unerschütterlich – unvergleichlich, keine Frau, kein materieller Wert können einem so viel bedeuten wie der Verein, welcher einem mehr gegeben hat, als die ganze undankbare Welt seit dem Beginn des kleinen Dahinvegetierens eines jeden Fans. Probleme mit dem Chef, Stress in der Schule, mit dem Lebensgefährten, dem Ehepartner, der Freundin, das gehört doch alles zum Alltag eines erprobten Fußballfans. Doch in der Kurve ist man beheimatet – dort sind die Freunde, dort spielt sich das eigentliche Leben ab. Dort kann man weitab jeglicher Alltagssorgen in eine zauberhafte Welt tauchen, dort kann man mit Leuten aus verschiedenen Gesellschaftsschichten kommunizieren, welchen man im Alltag auch aus persönlichen Gründen aus dem Weg gehen würde. Welchen Sinn es hat 10 Stunden im Bus zu verbringen, um 90 Minuten eines Spieles zu sehen, diese Frage kann wohl keiner so richtig beantworten, jedoch wird dies wohl auch keiner so richtig wollen. Dies würde das gesamte Charisma dieses Trips in Frage stellen. Abgesehen von Tabellensituation oder eigener Finanzsituation, man nimmt es doch immer wieder auf sich – eigentlich für einen Otto-Normalverbraucher ein Ding der Unmöglichkeit, kein Wunder, dass Arroganz und Unverständnis auf unsere Zunft niederscheint, Freunde. Jeder, der mit seinem Verein gute und schlechte Zeiten durchgestanden hat, weiß, dass vor allem in zuletzt genannten meistens nur der harte Kern an den oben genannten Prinzipien festhält. Ist es denn möglich, dass die anfangs genannten Schlagwörter nur in Zeiten von Erfolg, Ruhm und Trophäen zutreffen? Nein, man kann auch jene, die dies Leiderum trotzdem so sehen nicht als Feinde in den eigenen Reihen einstufen. Sehr wohl jedoch kann man ihnen vorwerfen: „Ihr seid Erfolgsfans, eine Ausgeburt der kommerziellen Geschehnisse, euch werden wir genauso überleben (müssen...), wie den Abschied des letzten Publikumslieblings“. Um zuletzt darauf einzuschneiden, ob man eigentlich dafür Verständnis haben kann, für jene Strapazen, die manche von uns auf sich nehmen: in fremde Länder reisen, den Alltag für die Kurve umkrempeln, den ganzen Tag lang nur vom Abendspiel träumen, die Choreographien immer wieder auf Photographien begutachten, in hitzigen Debatten weitab der Stadien über sein ganzes Leben lamentieren (sich quasi somit eigenen Rückhalt für sein Verhalten schaffen)...ist es eine Flucht aus dem Alltag oder eine Rettung? Es liegt an uns diese Frage positiv zu beantworten. Könnt ihr euch ein Leben ohne euren Verein, eure Tribüne, eure Freunde in beiden Gemeinschaften (oder nur in EINER...) vorstellen? Wohl kaum – erst dann, wenn man dies realisiert hat, kann man wohl zum glücklichen (oder traurigem, je nach dem...) Entschluss kommen, dass man wohl auf ewig das gleiche Leben weiterführen wird, man wird dem Lockruf der Auswärtsfahrt ebenso wenig widerstehen können, wie der Faszination Fanartikel (aber bitte net kommerziell), der Fernsehsendung über den Lieblingsverein, oder auch die Lachsalven über die Niederlagen des Erzfeindes. So facettenreich das Leben eines Fußballfans auch ist, desto trister wird es in letzter Zeit – man sollte gemeinsam dagegen ankämpfen, noch ist Zeit dafür, aber wie lange...??? So lange wir vereint sind, so lange wir uns das bis jetzt erkämpfte nicht wieder nehmen lassen, so lange wir aktiv gegen die gesellschaftliche Bevormundung ankämpfen, so lange wir ein Teil des Vereines bleiben...die Chance die Tristesse zu besiegen ist da – wir müssen sie auf unsere Art nützen (auf diese, oder auf jene...) FOSSA DEI BASTARDI |