Ideologie

Um dieses komplexe Thema auch nur irgendwie überlegt angehen zu können, muss man das Wort „Ideologie“ einmal aufspalten und in mehrere Kategorien teilen. Es gibt jene, die als Ideologie Nummer Eins die Politik sehen und sich durch sie in den Stadien präsentieren können, eine in ganz Europa verbreitete Erscheinung. Des weiteren gibt es jene, welche den Verein als sich als Ideologie betrachten, dessen Geschichte betrachten, sich dessen Alltag zu ihrem Alltag machen und nicht nur auf allen Spielen präsent sind, sondern auch geistig immer mit diesem einen Klub zusammen leben. Auch gibt es oftmals Leute, welchen der Verein in seinen Grundzügen unwichtiger erscheint, als die Kurve an sich. Leute, welche ihr Leben damit verbringen, der Masse Organisation zu verschaffen, Choreographien auszudenken, Doppelhalter zu malen, mit Busanbietern zu telefonieren. Jene Leute machen sich in manchen Fällen ihre eigene Welt unabhängig vom Spielstand, vom Tabellenstand, haben aber doch viel mehr Einfluss auf das Geschehen in den oberen Gremien des Vereines, als es manchen Leuten in selbigem lieb wäre.

Ein Idealfall wäre die Kombination all dieser Erscheinungen (wobei der erste Aspekt hier von uns dezidiert als nicht unbedingt immer förderlich betrachtet wird, falls man dies erreichen will…), um den Verein so zu leben, wie man es für sich selber als positiv empfindet! Die Gruppen, welche quer über Europa verbreitet sind reden in ihren „Presseaussendungen“ und Radioauftritten oftmals von der Ideologie, welche das „Transparent“ umgibt, das Synonym des Bestehens einer Truppe, dem Produkt der gemeinsamen Einstellung und Liebe, dem Aushängeschild der Gruppe an sich – etwas was man in einigen Teilen Europas sogar mit dem Leben verteidigen würde. In manchen Ländern wird nach dem Auflösen einer Gruppe das Symbol der Präsenz inmitten der Ansammlung der Mitglieder verbrannt – ein Akt von solch einer Mystik, dass er hierzulande schon irgendwie gar nicht so recht vorstellbar ist.

Ist es notwendig seine eigenen Ideen mit einzubeziehen um der Ideologie auch einen Hauch an Extravaganz und subjektivem Denken einzuflößen?! Hier scheiden sich die Geister. Manche behaupten, dass der Weg einer Gruppe nur durch ein festes und organisiertes Führungsgremium bestimmt werden kann, andere wiederum sagen, dass solch wichtige Dinge wie die Grundprinzipien von allen zusammen mit eingebracht werden – meistens ist es auch eine ordentliche Mischung aus beidem. Wobei die Führenden der Kurve es auch oftmals verstehen ihre Tribüne durch fast schon „Propagandaakte“ hinter den gemeinsamen Kurs zu bringen (Hier fallen mir spontan die „Irriducibili Lazio“ ein, die Kampagnen gegen Spieler, die von der Kurve nicht gerade akzeptiert werden rigoros durchziehen).

Kritisch sollte man bei allen Erscheinungen bleiben. Das ist das Grundprinzip um nicht debil zu werden. Man muss sich gegenüber seiner eigenen Truppe, gegenüber seiner Kurve und seinem Verein immer kritisch auseinandersetzen. Man muss teilweise, wenn man mit der Politik in einer Kurve, wenn man mit diversen Aktionen, nicht einverstanden ist dies durchaus sagen können – hierzulande geschehen allerdings in dieser Hinsicht sowieso nicht die einschneidenden Erlebnisse, um diverse weitreichend auseinander liegende Argumentationen inmitten eines Lagers zu finden. (Eisenstadt wird jetzt absichtlich völlig links liegen gelassen – jeder kennt die traurigen Konsequenzen für die grün-weiße Fanszene).

Um auf das Wort „Ideologie“ noch einmal kurz anzuschneiden. Keiner kann einem Individuum das Recht auf Meinungsfreiheit in einer Kurve nehmen, oftmals muss man sich aber (betrachtet die Kurven in ganz Europa&hellip festen sozialen, politischen, religiösen oder fantechnischen Aspekten Unterordnen, da sich diese durch Jahrzehnte hinweg etabliert und entwickelt haben. Die Ideologie einer Person und einer Kurve ist dermaßen facettenreich, dass es schon kriminell wäre in solch einem kurzen Brainstorming die positiven oder negativen Aspekte einer zum Beispiel politischen Überlegenheit einer Gruppe zu suchen.

Zum Abschluss muss man noch sagen, dass leider sowohl Politik, als auch Änderungen in einer Gruppe bzw. Kurve viele gute Leute dazu veranlasst haben selbige zu verlassen – ganz zu uninteressant dürfte die Ideologie wohl doch nicht sein…

Rapid für immer.