Geschichte der Ultras Rapid

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Wir, Ultras Rapid, wurden am 01. Februar 1988 gegründet, und sind somit die erste Ultras Gruppierung des Landes. Unsere Gründer orientierten sich schon damals sehr stark an dem Modell der italienischen Ultras Gruppen. Vor allem die Gradinata Sud von Sampdoria Genua diente dabei als Vorbild. Als Symbol der Gruppe wurde ein Indianerkopf gewählt, der von einem befreundeten Tätowierer gezeichnet wurde. Gleich zu Beginn betrug die Anzahl der Mitglieder rund 200 Personen, nachdem sich die erlebnisorientierte Fraktion aber nach kurzer Zeit wieder abgespaltete, schrumpfte die Gruppe schlagartig um die Hälfte. Das erste Transparent trug den Schriftzug Commando Ultras Rapid, wurde vom Verein aber nach einiger Zeit verboten und bei der WM 1990 in Rom von der italienischen Polizei beschlagnahmt. Es tauchte nie wieder auf.

Im Jahre 1991 erfolgte die erste Zettelchoreographie gegen den Stadtrivalen Austria Wien. Unzählige Choreos mit Bändern, Fahnen und Pyrotechnik folgten. Nach einem ersten Generationswechsel, der sich allmählich in den letzten Jahre vollzog, zählt unsere Gruppe im Herbst 2006 rund 500 Mitglieder, von denen rund 40 Leute den harten Kern bilden.

Dicke Freundschaften gibt es seit einigen Jahren zum Gate 13 von Panathinaikos Athen, den Jungs von Veneziamestre (die Ultras Unione haben sich Anfang 2006 aufgelöst, als Nachfolgegruppe kann die neugegründete Nuova Guardia angesehen werden) und den Ultras Nürnberg. Zudem gab oder gibt es noch einige persönliche Kontakte zu Hammarby Stockholm, Ferencvaros Budapest und den Shamrock Rovers Dublin.

In Österreich selbst werden keine Freundschaften gepflegt, auch wenn es in der Vergangenheit gute Kontakte zu den Verrückten Köpfen aus Innsbruck und Gruppen des GAK gab.

Neben der traditionsreichen Rivalität zu den Fans des Stadtrivalen FK Austria Magna (vormals Austria Wien) hatten sich in den letzten Jahren vor allem die Spiele gegen Salzburg zu sogenannten Risikospielen entwickelt. Im Herbst 2001 etwa warfen die Mozartstädter bengalische Feuer auf den angrenzenden Kindersektor im Hanappi-Stadion, beim Rückspiel in Salzburg dann, wurden sie von 400 Wienern quer durch die eigene Stadt gejagt. Durch die Übernahme des Vereins seitens Red Bull im Sommer 2005 wurden wir leider unseres Lieblingsfeindes beraubt. Die aktive Salzburger Fanszene gründete ihre alte Salzburger Austria aber neu und spielt zur Zeit in der 7. Liga. GEGEN DEN MODERNEN FUSSBALL!

Zurück zu unserer Gruppe, das Jahr 2002 war sicherlich eines der dramatischsten in der nun 18jährigen Geschichte der UR. Nachdem die Mannschaft die Saison 2001/02 auf dem neunten Tabellenplatz beendete, welches das schlechteste Ergebnis in der über 100jährigen Geschichte des Klubs darstellte, wurden einige Wochen später im Juli 2002 nach Ausschreitungen mit der Polizei während des Freundschaftsspiels gegen Arsenal London erstmals Stadionverbote gegen insgesamt sieben Leute des Block West erlassen. Diese ersten Stadionverbote betrafen zum Großteil die Ultras Rapid und erstreckten sich über ein Jahr. Glücklicherweise wurden die Verbote für den Besuch der Heimspiele nach einem halben Jahr aufgehoben.

Anfang 2003 konnten wir unser 15jähriges Jubiläum feiern. Am 01. Februar 2003, also genau 15 Jahre nach unserer Gründung, gab`s im Planet Music (Rockhaus in Wien) eine riesige Party mit der wir unseren Geburtstag feierten. Neben vielen Fanklubs durften wir auch die Vertreter des Vereins sowie ehemalige Spieler unseres Teams begrüßen. Die rund 600 Gäste konnten dabei eine umfangreiche Fotoausstellung bewundern und die besten Szenen aus diesen 15 Jahren nochmals mittels Video Revue passieren lassen. Natürlich waren auch unsere Freunde aus Athen, Nürnberg und Stockholm anwesend. Höhepunkt des Abends war sicherlich die Ehrung der 5 Gründungsmitglieder der Gruppe. Auch an dieser Stelle sei ihnen nochmals für das gedankt, was sie in diesen Jahren aufgebaut haben. Als beste Choreographie der ersten 15 Jahren wurde die Zettelchoreographie gegen Galatasaray im Sommer 1999 im Happel Stadion gewählt.

Zur Feier des Tages spielte die Schweizer OI! Punk Band VANILLA MUFFINS auf, deren Bandleader wir ein Jahr vorher bei einem Freundschaftsturnier mit Rapid Beteiligung in der Nähe von Basel kennengelernt haben. Der Reinerlös unserer Tombola ging an die Wiener Gruft, einer Sozialeinrichtung, die sich um Wiener Obdachlose kümmert. Ein alles in allem gelungenes Fest und ein würdiger Start in das Jubiläumsjahr.

In den folgenden Jahren konnten wir uns aufgrund der Integration von neuen Kräften (die Sektion Gioventù hat reichlichen Zulauf) in die Gruppe weiter steigern. Die Erfolge der Mannschaft taten ein Übriges. Beinahe zu jedem Spiel gab es Aktionen oder Choreographien unsererseits. Am Ende der Saison 2004/0 stand der 31. Meistertitel, den wir in gewisser Art und Weise auch als Lohn für unsere Arbeit empfanden. Im Sommer 2005 wurden wir von der Firma T.I.F.O. aus Turin mit einem Award für die besten Choreographien der abgelaufenen Saison ausgezeichnet. Die europaweit bekannte Firma für Choreozubehör und Fanartikel wählt jedes Jahr die besten Choreos und Aktionen ihrer Kunden aus und prämiert diese. Man kann sicherlich über die Sinnhaftigkeit einer solchen Auszeichnung und die Auswahlkriterien derselben streiten, wir haben die Auszeichnung aber mit Freude zur Kenntnis genommen.

Im Sommer 2005 dann der nächste Höhepunkt, ein unglaublicher Auswärtssieg in Moskau brachte uns die zweite Champions League Teilnahme nach 1996. Unsere Gegner waren Bayern München, Juventus Turin und Club Brügge. Hatten wir auf dem Spielfeld auch nichts zu melden, so konnten wir zumindest supporttechnisch in Europa auf uns aufmerksam machen.

Das Frühjahr 2006 war dann weniger erfolgreich. Trainer Hickersberger und Kapitän Hofmann verließen den Verein, auch Andreas Judasschitz wechselte die Farben und ging zum Klassenfeind Red Bull Salzburg, um dort auf der Reservebank zu sitzen. Im Sommer wechselte er dann ausgerechnet zu Panathinaikos Athen. Ein Wechsel, der in der griechischen Szene mit gemischten Gefühlen aufgenommen worden ist.

Ansonsten konnten wir in diesem Jahr einen neuen Mitgliederrekord aufstellen. Über 480 Leute haben sich seit Beginn des Jahres bei uns eingeschrieben. Im April nahmen wir zudem die Arbeiten an unserem Kellerlokal im 14. Wiener Gemeindebezirk auf, das im Herbst 2006 das erste Klublokal unserer Gruppe sein wird.

Die Beziehung zu den anderen Gruppen und Fanklubs in der Kurve (Alte Garde, Tornados, Spirit und den anderen Gruppen, die im Laufe der Jahre entstanden sind, z.B. die Green Lions aus Linz) sind nach wie vor sehr gut, alle, ziehen an einem Strang. Auch das Verhältnis zur Vereinsführung hat sich nach den Spannungen im Sommer 2002 wieder normalisiert. Trotzdem sind wir weiterhin bemüht unsere Unabhängigkeit gegenüber den Vereinsoberen zu bewahren. Jegliche finanzielle Unterstützung wird strikt abgelehnt. Die Beziehungen zur Polizei vor allem zu den sogenannten Fanbetreuern hingegen sind weniger gut. Zu sehr wurden wir in den letzten Jahren schikaniert und drangsaliert. Gerade in abgelaufenen Saison wurden immer wieder Stadionverbote und lächerliche Strafen gegen Leute unserer Gruppe verhängt. Vor allem Jungs unserer Nachwuchssektion Gioventù waren und sind davon betroffen. Die Heim EM 2008 wirft ihre Schatten bereits voraus.

Was sind unsere Ziele? Durch die EM 2008, die Österreich und die Schweiz für die UEFA ausrichten dürfen, sowie das Engagement von Red Bull beim vormaligen SV Salzburg wurden auch wir von einer Repressions- und Kommerzwelle, die den sogenannten Modernen Fußball auszeichnet, erwischt. Insofern beschränkt sich unser Engagement nicht mehr nur auf den Support der eigenen Mannschaft sondern auch auf Aktionen gegen Repression und Kommerz in unseren Fußball Stadien. Wir können nur hoffen die Zeit bis zur EM 2008 einigermaßen gut zu überstehen und uns so wenig wie möglich Stadionverbote einzuhandeln, um auch in zwei Jahren noch aktiv und kritisch unsere Kurve zu repräsentieren.

ULTRAS RAPID:
Gründungsdatum: 01. Februar 1988
Mitgliederanzahl: 480 (Oktober 2006)
Freundschaften: Gate 13 (Panathinaikos Athen), Rude Fans, Nuova Guardia (Veneziamestre), Ultras Nürnberg
Fanzines: GO WEST! (erscheint  bei jedem Heimspiel), BLOCK WEST ECHO (erscheint in der Winter- bzw. Sommerpause)
Homepage: www.ultrasrapid.at

DIRETTIVO ULTRAS RAPID BLOCK WEST 1988,  Oktober 2006