DAS HARTE LOS DER AKTIVEN FANS IM MODERNEN FUSSBALL! MITTEILUNGSBLATT DER ULTRAS RAPID 02/06

Rapid gegen Salzburg. Diese Partie war jahrelang der Schlager in der Österreichischen Fanszene. Nach der Übernahme der Salzburger Austria durch Red Bull ist das leider anders. Die Violetten Salzburger ließen sich aber nicht unterkriegen und gehen heute in der 7. Liga ihren eigenen Weg. Keine andere Fanszene in Euro-pa musste mehr unter dem so genannten und verhassten Modernen Fußball leiden als Union Ultrà, Tough Guys, Viennola und die restlichen Gruppen der Curva Sud. Folgend also ein Interview mit Thomas Karl (Kei-ler) von der UU`99 und gleichzeitig 2. Vizepräsident der „neuen“, von Fans gegründeten, Austria.

- Über die Geschehnisse, die zur Neugründung Eures Vereins geführt haben, weiß jeder Bescheid. Könnt Ihr uns einen kleinen Rückblick über das abgelaufene Frühjahr liefern?
Nachdem beschlossen wurde, das Frühjahr in Kooperation mit der Fußballsektion des PSV/SW Salzburg zu bestreiten, begann das Zittern um den Klassenerhalt. Sportlich gesehen verlief das Frühjahr geradezu wie ein Fußballmärchen: nach einem sensationellen Auftakt mit einem 2:1 über Titelkandidat Eugendorf vor rund 2000 Fans, ging es im restlichen Frühjahr eher bergab und als schon alle mit dem Abstieg rechneten, gelang im letzten Spiel der Saison kurz vor Schluss der alles entscheidende Siegtreffer zum 1:0. Die Zuseherzahlen fielen dabei zu Hause wie auswärts kaum unter 1000, was uns doch sehr positiv überrascht hat. Hinter den Kulissen gab es ein Auf und Ab: zunächst stand die Zusage des Präsidiums, dass sich die beim PSV – Gesamtverein ungeliebte Fußballsektion spätestens im Sommer`06 ablösen könnte. Die endgültige Entscheidung darüber wurde aber Woche um Woche vertagt, bis die Zeit zu knapp wurde uns wir die Konsequenzen ziehen mussten. Nach unserem Abschied und dem Scheitern der Kooperation trat die Führung der PSV – Fußballsektion zurück, sämtliche Spieler der Kampfmannschaft verließen den Verein, und der PSV musste daraufhin die Kampfmannschaft zurückziehen und ist nun nur noch im Nachwuchsbereich aktiv.

- Nach der Abspaltung vom PSV wagte die Austria einen Neuanfang in der 7. Liga. Wie schauen Eure mittel- und langfristigen Ziele aus?
Aus sportlicher Sicht besteht das mittelfristige Ziel darin, möglichst schnell die Salzburger Landesliga (4. Liga) zu erreichen. Sehr wichtig wird aber auch der Aufbau einer ordentlichen Nachwuchsabteilung sein, ebenso wie die Lösung des aktuellen Hauptproblems, nämlich der nicht vorhandenen fixen Heimstätte – eine  Sportanlage in der Stadt Salzburg mit einer Tribüne für die Fans, so sehen die Träume in Liga 7 aus. Langfristig wäre das Ziel der überregionale Fußball, sprich Regionalliga West bzw. zweite Liga. Ob dies verwirklichbar ist, wird sich wohl daran weisen, wie viele Fans dauerhaft bei der Stange bleiben, und ob es gelingt, potente Sponsoren zu gewinnen, die ein Projekt „von Fans für Fans“ unterstützen, ohne die Grundwerte des Vereins ändern zu wollen. Denn eines ist klar: wir bleiben lieber in der zweiten Landesliga stecken, als Kompromisse in Sachen Vereinsnamen, -farben oder -wappen einzugehen.

- Wie darf man es sich vorstellen, wenn man als Fan den eigenen Verein führt. Vor- und Nachteile?
Es überwiegen sicher die Vorteile, einen Verein nach eigenen Wünschen gestalten zu können ist eine großartige Aufgabe. Die Bindung zum Verein ist dadurch noch größer geworden, weil der Verein schließlich unser aller eigenes Werk ist, und nicht die Arbeit von irgendwelchen Managern, die sich vielleicht einmal im Monat die Zeit nehmen, sich zu den Fans herab zu lassen.
Die Nachteile sind in erster Linie die zusätzliche Arbeit, vom Ordnerdienst übers Dressen waschen bis zum Linien markieren müssen nun alle Arbeiten, die bei einem Fußballverein anfallen, in Eigenregie erledigt werden. Dadurch ist nun viel Zeit, die früher für die Fangruppen aufgewendet wurde, an den Verein gebunden – sei es als Funktionäre, oder als Spieler. Die aktivsten Leute haben daher nur noch wenig Zeit, um sich um ihre Gruppen zu kümmern, weil der Verein nun einfach Vorrang hat. Außerdem ist der Spagat zwischen Faninteressen und Vereinsinteressen nicht immer ganz so einfach, wie man sich das vorstellt – und diese Problematik wird sich sicher noch verstärken, je weiter wir nach oben kommen.

- Wie schaut so ein Matchtag in der 7. Liga aus. Worin bestehen die größten Unterschiede zur Bundesliga?
Der Hauptunterschied sind die Austragungsorte, statt am Tivoli oder im Hanappistadion spielt man jetzt eben am Acker von Liefering oder Schleedorf. Man ist schon froh, wenn auswärts irgendwo ein Erdhügel ist, auf dem man sich als Fanblock zusammenstellen kann, nur ein einziger Auswärtsground hat in diesem Jahr eine Tribüne. Dafür gibt’s auch keine Absperrungen, keine Polizei und keinen, der Dir wegen eines Bengalischen eine Strafe oder ein Stadionverbot aufbrummen will. Am besten beschreibt es vielleicht ein Vergleich mit den Cupspielen am Land, als noch nicht massenweise Polizei aufmarschiert ist. Wir haben nun jedes Wochenende Cupspiel...

- Wie schafft Ihr es die Motivation der eigenen Leute aufrecht zu erhalten?
Natürlich fehlen den Leuten die Stadien und die gegnerischen Fans, die einen zusätzlich motivieren. Andererseits haben wir jetzt, was wir immer wollten, wir haben unseren historischen Namen und unser Wappen, wir entscheiden selbst im Verein und am Rasen kickt der eine oder andere „von uns“, direkt aus der Kurve. Wem das nicht reicht, den wird man auf Dauer nicht motivieren können, denn selbst bei einigen Aufstiegen in Folge werden wir auf Jahre die Alleinunterhalter auf allen Plätzen bleiben.

- Hat sich die Zusammensetzung der Kurve im Vergleich zu BL Zeiten geändert?
Wenn man den ursprünglichen Kern der Fans betrachtet nein, denn hier gab es bisher kaum Abgänge. Aber natürlich fehlt jetzt die Masse derer, die früher die Süd in Kleßheim aufgefüllt haben. Wirklich fehlen tun uns diese Leute aber ohnehin nicht, statt 10.000 Besuchern haben wir jetzt bei jedem Spiel um die 1.000 wirkliche Fans, und auf Grund der kurzen Entfernungen gibt’s auch kaum Unterschiede zwischen daheim und auswärts.

- Ist Repression in der 7. Liga ein Thema?
Einer der ganzen großen positiven Aspekte: bisher gibt’s in der Hinsicht keinerlei Probleme, mehr als zwei Fankontaktler sieht man kaum bei den Spielen, selbst die Zugfahrten mit 200-300 Leuten wurden ohne Polizeibegleitung problemlos abgewickelt.

- Welche Entwicklung wird die österreichische Fanszene in den nächsten Jahren nehmen?
Das könnt Ihr wahrscheinlich besser beurteilen. In Liga 7 verliert man unglaublich schnell den Bezug zu den Problemen der Bundesliga. Ich persönlich glaube nicht an oft prophezeiten Untergang der Ultras durch Repressionen – wenn wir uns ehrlich sind, ist doch die Liebe zu den Vereinen so groß, dass die allermeisten wohl auch noch gröbere Einschnitte in die Freiheit der Fanszenen mitmachen würden. Meine Befürchtung ist eher, dass sich andere Vereine oder Konzerne die Vorgangsweise des FC Wals-Siezenheim zum Vorbild nehmen könnten, und der SV Austria Salzburg und seine Fans nicht der einzige Verein bleiben wird, der sich plötzlich in den Niederungen des Unterhausfußballs wieder findet...

Wer die Austria finanziell unterstützen will, hier die Bankverbindung:
Empfänger: SV Austria Salzburg / Konto-Nr. 94 013 109 / Bankleitzahl: 35094
Weitere Informationen gibt es unter www.sv-austria.at bzw. www.ultras.at

SFL SCHWÄCHT SICHERHEITSRICHTLINIEN AB!

Vor zwei Wochen haben wir an dieser Stelle von den Neuregelungen des Ticketverkaufs für Auswärtsspiele in der Schweiz berichtet. Nach zwei Wochen nun nimmt die Schweizer Liga Teile der neuen Sicherheitsrichtlinien zurück: Anbei ein kurzer Artikel der Neuen Zürcher Zeitung vom 04. August:

Die Swiss Football League (SFL) schwächt ihre Mitte Juli erlassenen Sicherheitsbestimmungen ab. Gästeklubs müssen die Personalien ihrer Fans beim Ticketverkauf nun doch nicht aufnehmen. Die Vorschrift war von den Fans umgangen worden.

Der Kartenverkauf für den Gästesektor bleibe Sache des Gastklubs, teilte die SFL am Freitag (04.08.06) mit. Aufgrund einer Analyse der ersten Meisterschaftsspiele stellte das Komitee der SFL aber klar, dass die schriftliche Aufnahme der Personalien nicht nötig sei. Inhaber der Gästekarten müssten aber beim Eingang neben dem Ticket eine gültige ID (Ausweis A.d.R.) vorweisen.

Grund für den Kurswechsel sind die negativen Reaktionen der Fans: In den ersten Runden der Meisterschaft hätten sie sich unter Berufung auf den Datenschutz zum Teil geweigert, Namen und Adresse anzugeben. Stattdessen besorgten sie sich beim Heimklub Tickets für andere Sektoren.

Die SFL empfiehlt ihren Mitgliedern (den Vereinen also A.d.R.) erneut, bei Auswärtsspielen vor Ort eine oder mehrere Tageskassen anzubieten. Es sein eine Selbstverständlichkeit, dem reisewilligen Fan wie bis dahin die Möglichkeit zu geben, sich am Spieltag für einen Matchbesuch – im Gästesektor – zu entscheiden, schreibt die SFL. Die SFL hatte Mitte Juli mit neuen Sicherheitsmassnahmen auf die schweren Krawalle nach dem Meisterschaftsfinale FCB gegen FCZ vom 13. Mai reagiert. Neben den Gastklubs werden auch die Heimklubs in die Pflicht genommen: Sie müssen unter anderem ihre eigene Fankurve besser sichern und Zuschauer per Video stärker überwachen.

GEGEN DEN MODERNEN FUSSBALL II

ULTRAS RAPID BLOCK WEST 1988                             Wien, August 2006